100 Jahre Heimatverein

Vorbereitung und Geburtstagsfeier im Saal Otte

Der Entschluss, eine Feier zum 100 jährigen Bestehen des Heimat- und Verschönerungsverein Neuenkirchen durchzuführen, wurde im Jahre 2012 schon auf der Generalversammlung beschlossen.

Die Vorbereitungen und die damit verbundenen zahlreiche Gespräche wurden im März 2013 gegonnen. Als Termin wurde der Samstag der 30. November 2013 ab 15:00 Uhr im Saale Otte, bestimmt.
Der 1. Vors. Ludger Bley handelete eine Vereinbarung mit der Volksbank Neunekirchen-Vörden, bzw. mit den beiden Bankleitern Herrn Rehling und Herrn Claus aus.
Es sollte eine passende Chronik über die zurückliegenden Jahre des Heimatverein Neuenkirchen erstellt werden und die Volksbank sagte eine finanzielle Unterstützung zu, diese wurde auch so eingehalten.
Unser Heimatfreund Herr Heinrich Prüllage hat maßgeblich die Chronik verfasst und in ihr viel Zeit investiert. Dafür ein herzliches Danke Schön !

Weitere fruchtbare Gespräche wurden mit den örtlichen Vereine und Gruppen geführt, die dann auch das Programm vorbereiteten bzw. bei der Feier auch "sauber" durchführten.
Teinehmer: Musikschule Neuenkirchen-Vörden, Kindergarten Regenbogen, Grundschule Neuenkirchen, Dei Burskuppers und die Landbienen, De Plattenspeelers, die beiden Seniorentanzgruppen vom Bildungswerk Damme und von der St. Bonfitius Stiftung, die Männerschola vom Kirchenchor St. Bonifatius.
Alle Gruppen haben ein schönes und vielfältiges Spektrum ihres Könnens dargeboten.

Zu Beginn der Feier machte der 1. Vors. Ludger Bley die Begrüßung und hielt eine Rede mit der Überschrift:
"Gedanken zum 100 jährigen Jubiläum des Heimatvereins Neuenkirchen"
(
Siehe nachfolgenden Textzeilen)
Eine Kaffeetafeln mit selbstgebackenen Kuchen, verschiedene Frauen der Vereins und sonstige Gönner hattten rund 45 Kuchen gestiftet, den anwesenden 220 Gästen und Besucher mundete der Kuchen, Kaffee und Tee vorzüglich.

Rede:
Liebe Heimatfreunde, liebe Gäste, meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ihr seid alle unserer Einladung gefolgt, mit uns das 100-jährige Bestehen des Heimat- und Verschönerungsvereins Neuenkirchen e.V. zu feiern. Dafür Danke ich Euch. Besonders begrüßen möchte ich den stellvertretenden Bürgermeister; Herrn Norbert Hagedorn, den stellvertretenden Landrat; Herrn Friedhelm Biestmann „Hallo Friedhelm“, den Präsidenten vom Heimatbund Oldenburger Münsterland, Herrn Hans Georg Knappik, die Geschäftsführerin vom Wiehengebirgsverband Weser Ems e.V. ; Frau Helene Reese, von der katholischen Kirchengemeinde; Pfarrer Herr Christoph Winkler, die Volksbank Neuenkirchen-Vörden Herr Claus, die Abordnungen der Heimatvereine Holdorf, Rieste, Gehrde, Vörden und Damme, den TUS Neuenkirchen, die Oberschule Neuenkirchen-Vörden, die Grundschule Neuenkirchen, den Kindergarten Sonnenland, die Pressevertreter – Herr Vollmer- von der OV-Vechta, und alle die ich vergessen habe zu begrüßen.
Euch allen Vielen Dank das Ihr gekommen seid.

Ich habe meine Rede mit der Überschrift versehen:
Gedanken zum 100 jährigen Jubiläum des Heimatvereins Neuenkirchen.
Ein 100-jähriger, das ist schon für sich ein wahrlich bedeutendes Ereignis, das dann noch verstärkt wird, wenn es sich um einen Verein handelt der eine so lange Tradition hat. Wenn man 100 Jahre zusammen lebt, dann hat man viel erlebt. Das gilt für Menschen - und es gilt auch für unseren Verein.
Wie fing alles an?
Ein Blick zurück zu den Anfängen, zu den Ursprüngen im Jahr 1913, der Gründung des Verschönerungsvereins Neuenkirchen, ist nicht nur historisch erhellend sondern auch sehr interessant, schauen wir doch mal gemeinsam kurz zurück, was damals so alles geschah, unter anderem:
Der Bäcker Karl Albrecht sen. macht sich mit einem Tante-Emma-Laden und als Brothändler selbstständig. Unter seinen Söhnen Karl und Theo Albrecht wird das Unternehmen Aldi im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem Handelsimperium.
Und:
Karl Rapp gründet in München die Rapp Motorenwerke GmbH, Vorgänger der jetzigen Bayrischen Motorenwerke (BMW).
Und:
Im März 1913, kurz nach dem Erlangen seines Doktortitels in der Medizin, bricht Albert Schweitzer mit seiner Frau Helene zu seiner ersten Reise nach Afrika auf, um dort ein Krankenhaus aufzubauen.

Das waren einige Ereignisse die das damalige Leben streiften.

100 Jahre – eine runde Zahl, die man in der Erinnerung mit Leben und Ereignissen füllen kann.
Die „Eroberung“ des Südpols vor 100 Jahren zeigt, dass damals weite Teil der Erde noch unbekanntes Land waren.
Zugleich lebten die Menschen Europas immer noch in einer Aufbruchstimmung, die sich vor allem aus technischen Errungenschaften ergaben und deren Auswirkungen auf das 20. Jahrhundert noch gar nicht abzusehen waren.
Bei weitem nicht jeder Haushalt verfügte über Strom, von Ort zu Ort bewegte man sich überwiegend mit Pferd und Kutsche, in der Landwirtschaft waren Pferd und Wagen noch die wichtigsten Transportmittel, so auch in unserer Gemeinde.
Man war stolz, wenn man als fahrbaren Untersatz ein Fahrrad, Moped oder gar ein Motorrad sein Eigen nennen konnte. An ein Auto konnten nur die Bessergestellten denken. Viele träumten später von einem Loyd oder sogar von einem Volkswagen.
Nur die Hauptverkehrsstraßen durch größere Orte waren schon mit einer Teerspritzdecke gut befahrbar.
Telefone gab es nur ganz wenige, die Entwicklung der motorisierten Luftfahrt steckte noch in den Kinderschuhen.

Aber zurück zu den Anfängen des Vereins:
Im Ort Neuenkirchen fanden sich damals heimatverbundene Menschen zusammen und gründeten den Verschönerungsverein, der Schwerpunkt lag dabei eindeutig bei der Ortsverschönerung. Wie dieses Vorhaben umgesetzt wurde, geht aus den knappen Hinweisen in den alten Protokollen hervor. Es wurden Wege besichtigt, Wanderwege angelegt, Bäume gepflanzt, Ecken und Plätze aufgeräumt und Gräben gesäubert.
So setzte sich der Verein mit großem Nachdruck für die Herstellung und den Ausbau einer Ortsbeleuchtung ein.
Man stellte fest, dass die geschaffenen sieben Lampen, unsere Dorfstraßen genügend beleuchten,
und somit jeder den Weg zum Gasthof fand. Sieben Lampen - wie viele Straßenlampen gibt es heute?

Bald darauf folgte eine Zeit, die für niemanden schön war, begleitet von Verlust und Leid.
Während der Kriegsjahre 1914 bis 1918 ruhte die Arbeit des Vereins.

Jahr später wurde aus dem Verschönerungsverein, der Heimat- und Verschönerungsverein Neuenkirchen e.V.
Nur Heimat – was ist das?
Mit dieser Frage beschäftige ich mich nun schon über 35 Jahre, so lange bin ich schon in Neuenkirchen-Vörden. Wenn ich Euch so anschaue, möchte ich ganz schlicht sagen: Sie, liebe Freunde, Ihr seit meine Heimat, zumindest der größte Teil von Euch, z.B. Ansgar Brockmann, Frau Weimer, Berndard Wienhold, Hubert Kenning, Alex Rolfes, Ingrid Geweke, Anni Theilmann, Wolfgang Sagner, Heinz Schönfeld, ich könnte noch hundert Namen nennen. Der Bäcker und der Fleischer im Ort, Gina in Ihrer urigen Kneipe, die Pizzeria von Dino, der Buchladen Weitzmann gleich um die Ecke.
All dies ist unsere gemeinsame Heimat.

Einem Heimatverein ist das natürlich nicht genug. Er braucht noch etwas Futter bei die Fische, wie wir in Nord-Deutschland so sagen. Und hier kommt etwas ins Spiel, das wir nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken können. Es sind die Geschichten, Anekdoten, Sagen und Legenden, die sich um unsere Heimat ranken. Wie zum Beispiel: der blinde Schimmel, ein Spuk im Pfarrgarten zu Neuenkirchen, die Sage vom Kaufmann Schlienkamp, die alte Spökenkiekerin Anna Mette, die geschnitzte Hand auf dem Schwieterings Hof, der Hexenspuk in Grapperhausen -auch das ist Heimat-, Schaurig schön, Gänsehaut auf dem Rücken, Kerzenlicht und fahler Mondschein über dem Stickteich.
Das alles ist, was unser Heimatverein in den letzten Jahrzehnten aufgearbeitet hat. Aber der Begriff "Heimat" hat sich verändert, denn die Menschen leben nicht mehr unbedingt ihr ganzes Leben am selben Ort wie unsere Großeltern. Wir sind mobil und leben in einer Zeit, in der moderne Technologie und Kommunikation über große Distanz möglich ist. Und dennoch ist "Heimat" geographisch fest fixiert. Eine sehr alte Frau aus Neuenkirchen hat mal zu mir gesagt: "Heimat ist der Ort, an dem mein Herz hängt. Heimat ist für mich dort, wo meine Familie und meine Freunde wohnen, wo ich mich wohlfühle“. Unser leider viel zu früh verstorbene, ehemalige Heimatvereinsvorsitzende Clemens Jans Wenstrup, hat das einmal prägnant formuliert, wenn er angesichts der Reiselust der Deutschen, wir reisen nach Venedig, Berlin, Österreich, New York, England, Spanien, an eine norddeutsche Redensart erinnerte: "Aber leben möcht' ich da nicht, Für Geld und gute Worte nicht. Leben möcht ich da, wo ich zuhause bin, wo meine Sprache gesprochen wird, wo mein Herz höher schlägt“.
Eine gute Aufgabe unseres Vereins ist es, für diese Heimat die Sinne zu schärfen, die Schönheit der norddeutschen Landschaft wahrzunehmen, Ortsführungen anzubieten, die Pflege der Nachbarschaften anzustoßen, einen Neuenkirchener „Klönschnak“ abzuhalten, im Anschluss an den Spaziergängen oder den Wanderungen des Vereins eine schöne Tee- oder Kaffeetafel abzuhalten, an Geschichten von Neuenkirchenern Originalen zu erinnern und vieles andere mehr. Was mir als Zugereistem wichtig ist, dass Neuenkirchen-Vörden auch mit Hilfe unseres Vereins Heimat wird für alle, die hier wohnen.
Deshalb soll am Ende meiner heimatlichen Betrachtungen der große Dank für die vielen Helferinnen und Helfer stehen, die seit über 100 Jahre eine treue und fleißige Geschichtsbearbeitung unserer Heimat leisten. An die ehemaligen und jetzigen Vorstandsmitglieder. An unsere Heimatboten die in regelmäßigen Abständen und das schon seit Jahren, die Einladungen zu den Veranstaltungen an unsere Mitglieder verteilen. An unsere Tourenplaner, die unermüdlich schöne Wanderungen und Fahrten organisieren. Dank der Volksbank Neuenkirchen-Vörden, für die finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung und Erstellung der Chronik. Des weiteren an Wolfram Krumme, für die vielen guten Ideen zur Umsetzung der Chronik, für deine Engelgeduld, hier noch eine Änderung und da noch ein Einwand, Danke für die Zusammenarbeit.
Einen besonderen Dank an unseren Heimatfreund Herrn Heinrich Prüllage, er hat maßgeblich die Texte der Chronik erstellt und bearbeitet und viel Zeit investiert. Danke Heinrich. Wir haben ein kleines Präsent vorbereitet und werden es Dir gleich überreichen.
Ich danke für die unzähligen ehrenamtlichen Stunden, die es uns ermöglichen, das der Heimatverein weiterhin besteht. Ich wünsche unserem Heimatverein noch viele Jahre im Dienste unserer Heimat und im Strom unserer Zeit.
Liebe Gäste, bevor ich zum Schluss komme, will ich Euch noch schnell erzählen, was einmal König August dem Starken passiert ist. Er ritt durch die Neuenkirchener Wiesen und Felder. An einem sonnigen Hang sah er den ehrwürdigen alten Herrn Meißner, mit gekrümmten Rücken arbeiten. Gefolgt von seinem Hofstaat trat der König näher und sah, dass Opa Meißner kleine, gerade ein Jahr alte Stecklinge pflanzte. "Was machst du da?" fragte der König. "Ich pflanze Nussbäume", antwortete der Greis. Der König wunderte sich: "Du bist schon so alt. Wozu pflanzt du dann noch Stecklinge? Du kannst ihr Laub nicht mehr sehen. Du kannst in ihrem Schatten nicht mehr ruhen. Auch ihre Früchte wirst du nicht mehr essen." Opa Meißner richtete sich auf, schaute dem König in die Augen und sprach mit großem Ernst: "Die vor uns kamen, haben gepflanzt, und wir konnten ernten. Wir pflanzen nun, damit die, die nach uns kommen, auch ernten können." Sprach's und pflanzte weiter seine Stecklinge.

Wie in der Geschichte, werden auch wir für unsere Nachkommen pflanzen, wie es unsere Vorfahren schon für uns getan haben. Die Tradition lebt in unserem Verein und wird seit Generationen in die Hände des Nächsten gelegt und liebevoll gepflegt. Voller Zuversicht und Vertrauen schauen wir gemeinsam auf eine hoffentlich harmonische Zukunft.

Jetzt aber will ich Euch nicht länger davon abhalten, mit uns in fröhlich, lockerer Runde zu feiern. Essen wir miteinander, trinken wir miteinander, lachen wir miteinander! Denn wer feste arbeitet, darf der nicht auch „Feste“ feiern?

Ich wünsche uns allen noch einige frohe und gemütliche Stunden.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.

So mein Vorschlag wäre jetzt,
das wir gemeinsam die Kaffeetafel beginnen, Wim Otte und sein Team werden nun den Kaffee- oder den Tee servieren.